Was geschehen ist
Brasiliens Regierung gab am 16. Oktober bekannt, dass das Amazonasgebiet zwischen August 2025 und Juli 2026 3.335 Quadratkilometer Wald verloren hat, 41,8 Prozent weniger als die 5.731 Quadratkilometer im Jahr davor. Das ist der niedrigste Wert seit Beginn der offiziellen Satellitenaufzeichnungen 1988 und, laut BBC, der größte Rückgang innerhalb eines Jahres, der je verzeichnet wurde. Die Abholzung im Cerrado, Brasiliens weiter tropischer Savanne, ging um 23,8 Prozent zurück.
Nach Angaben der Regierung ist die Abholzung im Amazonasgebiet seit 2023 um 71 Prozent gesunken. Damit kehrt sich der Anstieg zwischen 2019 und 2022 um, als die Rodungen, wie offizielle Daten zeigen, um rund 60 Prozent zunahmen und mehr als 45.000 Quadratkilometer gerodet wurden.
Warum es wichtig ist
Etwa 60 Prozent des Amazonas, des größten Regenwalds der Welt, liegen in Brasilien. Ein gesunder Wald nimmt große Mengen Kohlendioxid auf und erzeugt Feuchtigkeit, die den Niederschlag weit über Südamerika hinaus prägt. Abholzung und andere Landnutzungsänderungen sind Brasiliens größte Quellen von Treibhausgasemissionen. Der Trend ist daher für die Klimaverpflichtungen des Landes ebenso wichtig wie für die Artenvielfalt.
Die Zahlen stellen außerdem ein altes politisches Argument infrage. „Die Landwirtschaft hat Produktions- und Exportrekorde aufgestellt, während die Abholzung gesunken ist“, sagte Márcio Astrini vom Observatório do Clima, einem Netzwerk brasilianischer Umweltgruppen, der AP. Die Daten widerlegten die Vorstellung, der Schutz des Waldes bremse die Entwicklung, argumentierte er.
Mit politischem Willen lassen sich Abholzung und Treibhausgasemissionen eindämmen.
Márcio Astrini, Observatório do Clima, laut BBC
Der größere Zusammenhang
Der Rückgang war kein Zufall des Wetters. Im Januar 2023 setzte Präsident Luiz Inácio Lula da Silva den Aktionsplan zur Verhütung und Kontrolle der Abholzung im Legalen Amazonasgebiet wieder in Kraft, einen erstmals 2004 gestarteten Plan, der unter seinem Vorgänger auf Eis gelegt worden war. Euronews und AP beschreiben vier Säulen: Überwachung und Durchsetzung, eine nachhaltige Wirtschaft, die Verwaltung von Schutzgebieten und nicht ausgewiesenen öffentlichen Wäldern sowie finanzielle Regeln und Anreize.
In der Praxis hieß das: Strafen für illegale, per Satellit erkannte Rodungen wurden wieder eingeführt, Grundstücke mit illegaler Abholzung sollten von Bankkrediten ausgeschlossen werden, zusätzliche Mittel gingen an Gemeinden im Amazonasgebiet, die den Waldverlust verringerten, und Maßnahmen gegen Umweltkriminalität wurden finanziert.
Könnte das auch anderswo funktionieren?
Brasiliens Erfahrung legt nahe, dass es auf die Kombination mehr ankommt als auf eine einzelne Maßnahme. Transparente Satellitenüberwachung, glaubwürdige Strafen und Geld, das lokale Regierungen für Ergebnisse belohnt, verstärken einander. Andere Waldländer können die Instrumente übernehmen, doch die eigentliche Schwierigkeit ist der politische Einsatz, der sie am Laufen hält.
Was noch offen ist
- Kahlschlag ist nur ein Teil des Schadens. Die Schädigung durch Feuer, Holzeinschlag und Dürre betrifft etwa 40 Prozent des Amazonas und hat die reine Rodung in den vergangenen Jahren überholt, berichtet Euronews. Ein starkes El Niño könnte bis in die Jahre 2026 und 2027 hinein für heißere, trockenere Bedingungen sorgen.
- Die Zahl der Brände ist in diesem Monat stark gestiegen. Sie verdreifachte sich nach dem ersten Wahlgang am 4. Oktober, und die Behörden prüfen, ob einige Feuer absichtlich gelegt wurden. Forschende der NASA warnen, dass die üblichen Satellitenzählungen den Schaden unterschätzen könnten. Eine vorläufige Analyse rund um Santarém fand etwa 40 Prozent mehr Brände, als die Standarddaten auswiesen.
- Die Wahl. Präsident Lula tritt am 25. Oktober in einer Stichwahl gegen Senator Flávio Bolsonaro an. Lula hat null Netto-Abholzung bis 2030 zugesagt, wobei Wiederherstellung den gesamten Waldverlust ausgleichen soll. Flávio Bolsonaro hat versprochen, die illegale Abholzung bis 2029 zu beenden und, wie die BBC anmerkt, die organisierte Kriminalität im Amazonasgebiet zu bekämpfen. Von Euronews zitierte Fachleute für Naturschutz warnen, ein Regierungswechsel könne die derzeitige Politik rückgängig machen.
Wie es weitergeht
Die Stichwahl findet am 25. Oktober statt, und die Brände der Trockenzeit werden in den kommenden Wochen zeigen, ob die Fortschritte dieses Jahres Bestand haben. Die nächste jährliche Abholzungszahl, die August 2026 bis Juli 2027 abdeckt, wird die erste vollständige Bilanz der Regierung sein, die dann im Amt ist.
Quellen
- Euronews / AP Amazon deforestation hits record low in Brazil, but El Niño and a tight election threaten progress (19 October 2026)
- BBC News Brazil sees record fall in Amazon deforestation as key election looms
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