Was geschehen ist
Am 21. Oktober 2026 genehmigte die US-Umweltbehörde EPA den Antrag der Navajo Nation auf „Behandlung ähnlich wie ein Bundesstaat“ (TAS) nach dem Clean Water Act des Bundes, und zwar für das National Pollutant Discharge Elimination System (NPDES) und das Klärschlammmanagement. Die Navajo Nation, die das größte Reservat der Vereinigten Staaten hat, ist die erste indigene Nation im Land mit TAS-Status für diese Programme, teilte die EPA mit.
Mit der Zulassung ist die Nation berechtigt zu beantragen, die Programme auf ihrem Land selbst zu führen. Wird sie dann ermächtigt, könnte sie Genehmigungen erteilen, die Grenzwerte für Schadstoffeinleitungen in die Gewässer der Nation festlegen, samt Überwachungs- und Berichtspflichten; sie könnte regeln, wie Klärschlamm verwertet und entsorgt wird, und die Regeln durchsetzen, ähnlich wie Bundesstaaten nach Abschnitt 402 des Clean Water Act.
Warum es wichtig ist
Derzeit erteilt das EPA-Büro für den pazifischen Südwesten alle NPDES-Genehmigungen auf dem Land der Navajo Nation. Über das, was in Flüsse und Trockentäler im Reservat eingeleitet werden darf, entscheidet also eine Regionalbehörde des Bundes in San Francisco und nicht die eigene Behörde der Nation. Mit diesen Befugnissen könnten Navajo-Behörden die Regeln selbst festlegen und durchsetzen.
„Wasserrechte für die Navajo Nation zu sichern, ist entscheidend, aber wir müssen auch alle Aspekte des Gewässerschutzes steuern: von unseren heutigen Wasserquellen in der Nation über die Art, wie wir unser Wasser nutzen, bis zum Umgang mit Abwassereinleitungen, und dann den Wasserkreislauf immer wieder fortsetzen“, sagte Stephen B. Etsitty, Direktor der Umweltschutzbehörde der Navajo Nation. „Jetzt die NPDES-Befugnis zu erhalten und wirksam umzusetzen, wird für unser künftiges Wachstum entscheidend sein.“
Diese Zulassung bringt die Navajo Nation einen Schritt näher an die direkte Regulierungshoheit über die Wasserressourcen auf ihrem Land.
Mike Martucci, Regionalverwalter der EPA für den pazifischen Südwesten
Der größere Zusammenhang
Wasser ist in der Navajo Nation ein tägliches Problem. Erhebungen des Johns Hopkins Center for Indigenous Health ergaben, dass in zwei der fünf Verwaltungsbezirke der Nation etwa jeder vierte Haushalt keinen Wasseranschluss hat: 26,7 % in Fort Defiance und 26,3 % in Chinle, berichtet das Zentrum. Familien transportieren Wasser zum Trinken, Kochen, Putzen und für ihr Vieh noch immer selbst heran. Mit neuen Wasserleitungen und Kläranlagen werden auch die Abwassereinleitungen zunehmen, und genau hier kommen die NPDES-Genehmigungen ins Spiel.
Vertreterinnen und Vertreter der EPA stellten die Entscheidung als Unterstützung indigener Selbstverwaltung dar. „Diese Zulassung ist das Ergebnis jahrelanger harter Arbeit der Navajo Nation“, sagte Usha Maria-Turner, Assistant Administrator des EPA-Büros für internationale und indigene Angelegenheiten, wie Native News Online zitiert.
Könnte das auch anderswo funktionieren?
Der Clean Water Act erlaubt auch anderen indigenen Nationen, diesen Status zu beantragen, und der Fall der Navajo zeigt, dass der Weg gangbar ist. Aus Sicht von GGND könnte die Zulassung der Navajo als Vorlage dienen, doch die größte Hürde anderswo wird die Kapazität sein. Ein Genehmigungsprogramm braucht Ingenieurinnen und Ingenieure, Prüfpersonal, Labore und juristische Fachleute, und kleinere Nationen könnten Schwierigkeiten haben, das zu finanzieren.
Was noch offen ist
- Berechtigung, nicht Befugnis. Die TAS-Entscheidung ermächtigt die Nation noch nicht, die Programme zu führen; sie macht sie nur antragsberechtigt, merkt Wastewater Digest an. Ein gesonderter Antrag und eine Zulassung folgen noch.
- Geld und Personal. Keine der Mitteilungen sagt, wie ein Genehmigungsprogramm der Navajo finanziert oder besetzt würde oder wie lange die Übergabe dauern könnte.
- Strengere oder lockerere Regeln? Noch ist unklar, ob die Genehmigungen der Nation strenger wären als die heutigen der EPA, etwa bei Einleitungen von Bergbau- oder Energiestandorten.
- Zugang zu Wasser. Genehmigungsbefugnisse schützen die Wasserqualität, bringen aber allein noch kein fließendes Wasser in die vielen Haushalte, die bis heute keines haben.
Wie es weitergeht
Die Umweltbehörde der Navajo Nation kann nun ihren Antrag vorbereiten, die NPDES- und Klärschlammprogramme selbst zu führen. GGND berichtet, wenn die Nation den Antrag stellt und wenn die ersten Genehmigungen in eigener Zuständigkeit erteilt werden.
Quellen
- US-Umweltbehörde EPA Navajo Nation Becomes First Tribe Eligible to Administer Clean Water Act Permitting Programs (21. Oktober 2026)
- Native News Online Navajo Nation Becomes the First Tribe Eligible to Administer Clean Water Act Permitting Programs (22. Oktober 2026)
- Wastewater Digest Navajo Nation receives first-ever TAS approval for NPDES and sludge programs (22. Oktober 2026)
- US-Umweltbehörde EPA Navajo Nation National Pollutant Discharge Elimination System (NPDES) Permits
- Johns Hopkins Center for Indigenous Health From Counting to Connecting Homes: Water Access Work Reaches Next Level (2026)
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