Was geschehen ist
Zwischen dem 15. und 19. Oktober 2026 erprobte ein Team im Nationalpark Lanín in Neuquén im Norden Patagoniens einen neuen Weg, eine der ältesten Baumarten der Welt zurückzubringen. Auf einer vorab genau kartierten Fläche von 40 Hektar bei Ñorquinco säte eine einzige Drohne in anderthalb Tagen Samen der Pewen oder Chilenischen Araukarie (Araucaria araucana) über das gesamte Gebiet aus, wie Argentiniens Nationalparkverwaltung (APN) berichtete.
Der schwierigste Teil war, überhaupt dorthin zu gelangen. Am ersten Tag errichtete das Team ein Basislager am Berg. Drohnen brachten Ausrüstung und Material hinauf, während 300 Kilogramm Samen mit Hilfe von Parkrangern und Mapuche-Bewohnern, den sogenannten Protectores del Pewen (Hüter der Pewen), auf Pferden hinaufgetragen wurden. Anschließend maßen Forschende in Dauerbeobachtungsflächen, wie dicht die Samen gelandet waren, um eine Ausgangsbasis zu schaffen und abzuschätzen, wie viele Pflanzen pro Hektar wachsen könnten. Getestet wurde auch eine biotechnologische Saatgutbehandlung, die verhindern soll, dass Wildtiere so viele Samen fressen.
Warum es wichtig ist
Die Pewen kann mehr als 1.100 Jahre alt und 50 Meter hoch werden. Sie steht auf der Roten Liste der IUCN als stark gefährdet und ist in Anhang I des CITES aufgeführt, der strengsten Handelskategorie. Für die Mapuche-Gemeinschaften, die in der Region leben, steht sie im Zentrum ihres Weltbilds und ihres Gefühls der Zugehörigkeit zum Land, so die APN.
Zugleich tut sich dieser Baum schwer, von allein zurückzukehren. Er wächst langsam, und sein großer Samen, der Piñón, fällt dicht neben dem Mutterbaum zu Boden. Vernichtet ein Feuer die samentragenden Bäume, kann die Erholung des Waldes Jahrhunderte dauern, und der Boden kann verarmen, bevor neue Bäume wachsen, wie La Nación erläutert. Bei Ñorquinco verbrannte 2013 ein großes Feuer rund 1.500 Hektar Naturwald. Drohnen könnten Samen auf steile, abgelegene Hänge bringen, wo die Pflanzung von Hand langsam und gefährlich ist.
Die Herausforderung besteht also darin, die Erholung des Waldes zu beschleunigen, bevor die Schädigung unumkehrbar wird.
Argentiniens Nationalparkverwaltung (APN), 20. Oktober 2026, aus dem Spanischen übersetzt
Der größere Zusammenhang
Der Drohnenversuch ist eine neue Phase einer langen Arbeit, kein Ersatz dafür. Das Proyecto Pewen bringt seit mehr als zwei Jahrzehnten Forschende, Parkpersonal, Mapuche-Gemeinschaften, lokale Gruppen und Freiwillige zusammen. Ein Jahr nach dem Brand von 2013 wurden eine Diagnose, eine Analyse der Brandschwere und ein Wiederherstellungsplan erstellt. Seit 2021 hat das Projekt das Gebiet eingezäunt und 50.000 junge Pewen- und Coihue-Bäume (Nothofagus dombeyi) gepflanzt, eine erste Etappe, die laut APN erfolgreich abgeschlossen wurde.
Die neue Arbeit leitet der Park gemeinsam mit ReForest Latam, einem Unternehmen, das Biotechnologie, Drohnen und Ökosystemanalyse verbindet. Laut APN gliedert sie sich in vier Phasen: Kartierung jedes Gebiets, Sammlung einheimischer Samen lokaler Herkunft und deren Umhüllung mit Biostimulanzien, Ausbringung per Drohne an keimgünstige Mikrostandorte sowie Monitoring im Gelände. Ein wissenschaftlicher Ausschuss unter Leitung von Dr. Thomas Kitzberger (CONICET–INIBIOMA) entscheidet, was, wo und wie wiederhergestellt wird. Zu den Partnern gehören der Consejo Zonal Pewenche, die Mapuche-Gemeinschaft Ñorquinco, die Protectores del Pewen von Ñorquinco und Aigo, Forschende von INIBIOMA-CONICET und IANIGLA-CONICET, Amigos de la Patagonia, die Corporación Interestadual Pulmarí und das Unterstaatssekretariat für Produktion der Provinz Neuquén, wie NoticiasNQN berichtet.
Könnte das auch anderswo funktionieren?
Genau das soll der Versuch herausfinden. Erweist sich die Methode als wirksam, wird sie 2027 auf 200 Hektar eingesetzt, und laut APN könnten die Ergebnisse kurz- und mittelfristig die Wiederherstellung weiterer geschädigter Gebiete Patagoniens leiten, wie auch Realidad SM berichtet. Aussaat per Drohne wird bereits anderswo in Argentinien erprobt, unter anderem in den Wäldern des Gran Chaco mit The Nature Conservancy. Nach Einschätzung von GGND sticht hier die Mischung hervor: Hochtechnologie, die zu Pferd auf den Berg gebracht wird, gelenkt von Menschen, deren Familien seit Generationen mit diesen Bäumen leben. Diese Verbindung von lokalem Wissen und Wissenschaft dürfte wichtiger sein als die Drohne selbst.
Was noch offen ist
- Noch keine Ergebnisse. Der Versuch ist gerade erst zu Ende gegangen. Ob die Samen keimen und die Sämlinge überleben, zeigt erst das Monitoring in den Dauerbeobachtungsflächen.
- Hungrige Wildtiere. Pewen-Samen sind Nahrung für Tiere. Der Versuch testete eine Behandlung, die den Fraß verringern soll, doch über ihre Wirkung wurde noch nicht berichtet.
- Ein Plan unter Vorbehalt. Die Wiederherstellung von 200 Hektar im Jahr 2027 hängt davon ab, dass sich der Versuch als wirksam erweist, wie La Nación anmerkt. Viel Saatgut allein garantiert noch keine Keimung.
- Ausmaß des Schadens. Selbst 200 Hektar sind nur ein Bruchteil der rund 1.500 Hektar, die 2013 verbrannten, und die Quellen sagen nicht, wie der Rest wiederhergestellt oder finanziert werden soll.
Wie es weitergeht
Die Forschenden werden die besäten Flächen beobachten, um zu sehen, wie viele Samen zu Sämlingen werden, und mit den Erkenntnissen die technischen, biotechnologischen und logistischen Aspekte vor der Saison 2027 anpassen. GGND berichtet erneut, wenn die ersten Zählungen junger Pewen veröffentlicht werden.
Quellen
- Administración de Parques Nacionales (Argentina) Nueva etapa en la restauración del ecosistema biocultural del pewen en el Parque Nacional Lanín (20. Oktober 2026)
- La Nación Siembra con drones en una zona quemada: el megaplan que promete recuperar 200 hectáreas de bosque (22. Oktober 2026)
- NoticiasNQN Impulsan la restauración de 200 hectáreas de bosque de pehuenes afectadas por incendios en Ñorquinco (18. Oktober 2026)
- Realidad SM Drones siembran semillas de pewen en bosque quemado de Ñorquinco (22. Oktober 2026)
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