Was geschehen ist
In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 wurden in Deutschland mehr als eine halbe Million neue Batteriespeicher mit einer Gesamtkapazität von rund 8,2 Gigawattstunden in Betrieb genommen. Das teilte der Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) am 22. Oktober auf Grundlage seiner Auswertung von Daten der Bundesnetzagentur mit. Das sind 91 Prozent mehr neue Kapazität als im gleichen Zeitraum 2025.
Getragen wurde das Wachstum von großen Netzspeichern. Ihr Zubau hat sich mehr als vervierfacht, um rund 350 Prozent auf etwa 3,8 GWh, und machte ungefähr die Hälfte der gesamten neuen Kapazität aus. Heimspeicher wuchsen um 20 Prozent auf 3,2 GWh, Gewerbespeicher um 67 Prozent auf etwa 0,7 GWh und Kleinspeicher, oft in Verbindung mit Balkonkraftwerken, um 33 Prozent auf etwa 0,5 GWh, berichtete ESS News. Die Zahlen bilden Registrierungen bis zum 12. Oktober ab; Nachmeldungen erhöhen sie in der Regel noch. Der Verband erwartet für das Gesamtjahr deutlich mehr als 10 GWh.
Warum es wichtig ist
Deutschland erzeugt an sonnigen Tagen so viel Solarstrom, dass das Angebot oft die Nachfrage übersteigt. Bis zum 27. September hatte die Solarstromerzeugung 2026 mit 90,2 Terawattstunden bereits das gesamte Jahr 2025 übertroffen, berichtete Clean Energy Wire über RenewEconomy. Derselbe Bericht verwies auf zunehmende Stunden mit negativen Großhandelspreisen und mehr Abregelung, bei der Wind- oder Solaranlagen abgeschaltet werden, weil das Netz den Strom nicht aufnehmen kann.
Batterien speichern diesen Überschuss und geben ihn am Abend oder bei Flaute wieder ab. Nach Berechnungen des Fraunhofer-Instituts für Energiewirtschaft und Energiesystemtechnik (IEE), auf die sich der BSW-Solar beruft, hätten zusätzliche 80 GWh Batteriespeicher Verbraucher und Bundeshaushalt allein im Jahr 2025 um fast 4 Milliarden Euro entlasten können. Eine zweite Studie des Fraunhofer IEE ergab, dass Batterien an Umspannwerken ungenutzte Netzkapazität erschließen könnten; unter den untersuchten Bedingungen ließe sich so bis zu doppelt so viel Solarleistung an bestehende Verteilnetze anschließen, so der Verband.
Batteriespeicher werden zum Wachstumstreiber und zu einem zentralen Effizienzhebel der Energiewende.
Carsten Körnig, Hauptgeschäftsführer, Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar)
Der größere Zusammenhang
Nach Ansicht der Branche reicht der Boom noch nicht aus. Fraunhofer-Fachleute schätzen, dass bis 2030 jedes Jahr vier- bis fünfmal so viel zusätzliche Flexibilität nötig wäre, um die geplanten erneuerbaren Energien möglichst kostengünstig zu integrieren. Der BSW-Solar hat 15 Reformvorschläge veröffentlicht, berichtete Clean Energy Wire. Im Mittelpunkt stehen drei: ein Anspruch auf faire und flexible Netzanschlussvereinbarungen, damit Batterien Anschlüsse mit Solar- und Windparks teilen können; Ausschreibungen der Verteilnetzbetreiber für Batterien an Umspannwerken; und Änderungen beim Engpassmanagement, damit überschüssiger Solarstrom gespeichert statt abgeregelt werden kann.
Die Politik ist umstritten. Die Koalition in Deutschland berät über Regeln, die die Förderung kleiner Dachanlagen kürzen und Anreize für neue Projekte in überlasteten Netzgebieten verringern würden. Forschende und Branche kritisieren das als Risiko für Investitionen, berichtete RenewEconomy. Auch der Markt kennt Verlierer: Der deutsche Batteriespeicherhersteller Sonnen meldete am selben Tag, an dem die Zahlen veröffentlicht wurden, Insolvenz an und erklärte zugleich, seine mehr als 150.000 Kundinnen und Kunden weiter zu betreuen, berichtete ESS News.
Könnte das auch anderswo funktionieren?
Jedes Netz mit viel Solarstrom kennt die gleiche Mittagsschwemme. Nach Einschätzung von GGND zeigt die deutsche Erfahrung zweierlei: Haushalte kaufen Batterien zusammen mit Dachanlagen, doch den größten Nutzen bringen große Batterien an Stellen, an denen das Netz überlastet ist, und das hängt stärker von Anschlussregeln ab als von der Technik. Länder, die den Solarausbau planen, können Speicher und flexible Anschlüsse von Anfang an in die Netzregeln aufnehmen.
Was noch offen ist
- Genug und schnell genug. Der jährliche Zubau müsste um ein Mehrfaches steigen, um die Flexibilität zu erreichen, die laut Fraunhofer bis 2030 nötig ist.
- Netzanschlüsse. Ob das Parlament im anstehenden Netzpaket und in der Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes faire, flexible Anschlussregeln beschließt, ist noch offen.
- Kein nationales Ziel. Laut BSW-Solar fehlen der Bundesregierung ein klar federführendes Ministerium, verbindliche Speicherziele und eine übergreifende Speicherstrategie.
- Zählweise. Die Zahlen beruhen auf der Auswertung von Registerdaten durch einen Branchenverband und werden sich mit Nachmeldungen noch ändern.
Wie es weitergeht
Der Gesetzgeber arbeitet am Netzpaket und an Änderungen des Erneuerbare-Energien-Gesetzes, in die der BSW-Solar seine Vorschläge einbringen möchte. GGND wird Anfang 2027 die Zahlen für das Gesamtjahr prüfen, um zu sehen, ob der Speicherzubau 10 GWh übersteigt.
Quellen
- Bundesverband Solarwirtschaft (BSW-Solar) Batteriespeicher-Zubau in Deutschland steigt um 91 Prozent (22. Oktober 2026)
- Clean Energy Wire Battery storage deployment in Germany up 91%, reforms needed to maintain momentum – solar industry (22. Oktober 2026)
- ESS News Germany’s battery storage additions surge to 8.2 GWh in first nine months of 2026 (22. Oktober 2026)
- RenewEconomy (Clean Energy Wire) Germany smashes PV record, produces three times more solar power than Australia so far this year (29. September 2026)
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