Bildung Bolivien, Südamerika

Bolivien beginnt, abgelegene Schulen ans Internet anzuschließen – zunächst 307 in La Paz

Vereinbarungen mit allen 85 Gemeinden im Departamento La Paz sollen Schulen außerhalb der Reichweite von Glasfaseranschlüssen mit Satelliteninternet und Lehrkräfteschulungen versorgen. Kritiker fragen, wer nach Ablauf der zwei kostenlosen Jahre bezahlen wird.

Von The GGND Team 4 Min. Lesezeit

Eine kleine Adobe-Schule mit Wellblechdach und flacher weißer Satellitenschüssel steht auf der Hochebene der Anden unter klarem, blauem Himmel. Dahinter erheben sich schneebedeckte Berge, während Kinder mit Rucksäcken auf den Eingang zugehen.
KI-generierte Illustration; kein Foto des berichteten Ereignisses. Eine ländliche Schule im bolivianischen Altiplano mit einer Satelliten-Internetantenne.

Was geschehen ist

Am 20. Oktober 2026 überreichten Boliviens Präsident Rodrigo Paz und Bildungsminister Erick Sanjinés den Bürgermeisterinnen und Bürgermeistern von 85 Gemeinden im Departamento La Paz Vereinbarungen zur Installation von Satelliteninternetantennen in Schulen, teilte das Bildungsministerium mit. Das Programm mit dem Namen Aulas Conectadas (Vernetzte Klassenzimmer) ist Teil einer nationalen Strategie für digitale Bildung.

Die erste Phase soll laut Ministerium mehr als 73.000 Schülerinnen und Schüler an 307 Schulen erreichen, die in 288 Gebäuden untergebracht sind. Das Ministerium wählt die Schulen aus und legt Prioritäten fest, bestimmt technische und pädagogische Richtlinien und schult Lehrkräfte in digitaler Kompetenz. Die Gemeinden sind für die baulichen Voraussetzungen, die Logistik und die langfristige Aufrechterhaltung des Dienstes verantwortlich. Das Programm begann in La Paz und wird auf die anderen acht Departamentos Boliviens ausgeweitet.

Landesweit plant die Regierung mehr als 4.500 Antennen des SpaceX-eigenen Starlink-Netzwerks sowie 24 Monate kostenlosen Internetzugang für die Schulen, teilt das Präsidialministerium mit. Paz beschrieb einen Pilotversuch für 2026 und 2027; die vollständige Strategie soll zwischen 2027 und 2030 umgesetzt werden, berichtet The Rio Times.

Warum es wichtig ist

Boliviens Gebirge, Hochlandebenen und Amazonastiefländer machen es schwierig und teuer, in abgelegenen Gebieten Glasfaserkabel zu verlegen oder Mobilfunkmasten zu errichten. Eine im November 2025 veröffentlichte Ookla-Studie stufte Bolivien bei der Geschwindigkeit sowohl des Mobilfunk- als auch des Festnetz-Breitbands als Schlusslicht Südamerikas ein, berichtet Latin Times. Für ein Kind in einem abgelegenen Dorf kann eine funktionierende Internetverbindung den Zugang zu digitalen Bibliotheken, Lernplattformen und Ressourcen bedeuten, die sich seine Schule sonst niemals leisten könnte.

Das Ministerium betont, dass es nicht nur um die Geräte geht, sondern auch um den Unterricht. „Diese Arbeit erfordert gemeinsame Verantwortung“, sagte Sanjinés: Das Ministerium werde Lehrkräfte darin schulen, die Technologie bestmöglich zu nutzen, während die Gemeinden für die räumlichen Voraussetzungen und die Unterstützung sorgten, berichtet das Ministerium (Übersetzung von GGND). Paz sagte, „die Lehrkraft entscheidet, wann und wie digitale Werkzeuge eingesetzt werden“, laut Latin Times.

Mit dieser Strategie soll der Schritt von der bloßen Verteilung von Geräten hin zu einem umfassenden und nachhaltigen digitalen Bildungsökosystem gelingen.

Rodrigo Paz, Präsident von Bolivien (aus dem Spanischen übersetzt von GGND)

Der größere Zusammenhang

Satelliteninternet wurde in Bolivien möglich, nachdem ein Dekret vom 22. Dezember 2025 Anbietern von Satellitendiensten im niedrigen Erdorbit wie Starlink, OneWeb und Amazons Kuiper den Betrieb erlaubte, berichtet The Rio Times. Die vorherige Regierung hatte Starlink eine Lizenz verweigert, merkt Latin Times an. Bolivien folgt damit seinen Nachbarländern: Paraguay vereinbarte die Lieferung von 1.600 Starlink-Kits für ländliche Schulen, und Argentinien kündigte einen Plan an, 6.000 ländliche Schulen anzuschließen, berichtet Latin Times.

Einige Schulen sind bereits angeschlossen. Im Juli 2026 vereinbarte El Alto, die große Stadt neben La Paz, die Installation von 312 Schulantennen. Der Staat übernimmt die Kosten für zwei Jahre Internetzugang, danach die Stadt. Boliviens Telekommunikationsaufsicht zählte zwischen Februar und Mai 2026 landesweit 40.000 Starlink-Anschlüsse über das Staatsunternehmen Entel, berichtet The Rio Times.

Paz stellte die niedrigen Antennenkosten dem staatseigenen Satelliten Túpac Katari gegenüber, der 2013 gestartet wurde und nach seinen Angaben mehr als 250 Millionen US-Dollar gekostet hat, berichtet The Rio Times. „Mit sehr wenig können wir viel erreichen, wenn wir die Technologie nutzen“, sagte er laut dem Ministerium (Übersetzung von GGND).

Könnte das auch anderswo funktionieren?

Nach Ansicht von GGND sind Satellitenverbindungen heute der schnellste Weg, um abgelegene Schulen in vielen gebirgigen oder dünn besiedelten Ländern anzuschließen. Boliviens Aufteilung der Aufgaben, bei der das Ministerium Lehrkräfte schult und die Gemeinden sich um die Geräte kümmern, ist ein sinnvolles Modell. Doch ein Anschluss allein verbessert den Lernerfolg nur selten; ob das Angebot Bestand hat, hängt von der Lehrkräfteschulung, den Geräten, der Stromversorgung und einem Plan zur Deckung der laufenden Kosten ab.

Was noch offen ist

  • Wer später zahlt. Nach 24 kostenlosen Monaten müssen die Gemeinden die Kosten übernehmen. Luis Valle von der Nichtregierungsorganisation Fundetic bezeichnete das Programm als positiv in seinen Zielen, aber „unvollständig in seiner Ausgestaltung“. Er wies darauf hin, dass bislang keine Kosten, Tarife oder Vertragsdetails veröffentlicht wurden, berichtet Latin Times.
  • Eine Warnung aus dem Gesundheitswesen. Valle verglich das Programm mit Boliviens Satellitenprojekt Telesalud für ländliche Kliniken, das scheiterte, als die Gemeinden die laufenden Kosten nicht tragen konnten.
  • Die Zahlen variieren. Offizielle Angaben reichen von mindestens 4.500 bis etwa 4.700 Antennen. Die Regierung hat weder einen vollständigen Installationsplan noch die Gesamtkosten veröffentlicht, wie The Rio Times anmerkt.
  • Lernerfolge messen. Ziel ist laut Angaben, Lesen, Schreiben und Mathematik zu verbessern. Wie die Ergebnisse erfasst werden sollen, ist noch unklar.

Wie es weitergeht

Das Ministerium teilt mit, das Programm solle auf die verbleibenden acht Departements ausgeweitet werden. Cochabamba und Santa Cruz sollen laut Latin Times als Nächstes folgen. Aus Sicht von GGND kommt es vor allem darauf an, was geschieht, wenn die zwei kostenlosen Jahre enden und die Gemeinden zu zahlen beginnen. GGND wird darüber berichten, wie es den ersten Schulen in La Paz geht.

Quellen

  1. Ministerio de Educación de Bolivia Präsident übergibt Gemeinden in La Paz Vereinbarungen zur Installation von Starlink-Antennen an Bildungseinrichtungen (20. Oktober 2026)
  2. Ministerio de la Presidencia de Bolivia Bolivien revolutioniert die ländliche Bildung mit Starlink (22. Oktober 2026)
  3. Latin Times Bolivien setzt auf Starlink für ländliche Schulen, während Lateinamerikas Wettlauf um satellitengestützte Bildung Fahrt aufnimmt (21. Oktober 2026)
  4. The Rio Times Boliviens Starlink-Plan sieht 4.700 Antennen vor (21. Oktober 2026)

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